[Buchrezension] Fünf – Ursula Poznanski

Ich möchte heute die Gunst der Stunde nutzen und ein Buch vorstellen, das eng mit dem Thema „Geocaching“ verbunden ist: Der Kriminalroman „Fünf“ von Ursula Poznanski.

Fünf

Inhalt (Klappentext)

Eine Frau liegt tot auf einer Kuhweide. Ermordet. Auf ihren Fußsohlen: eintätowierte Koordinaten. An der bezeichneten Stelle wartet ein grausiger Fund: eine Hand, in Plastikfolie eingeschweißt, und ein Rätsel, dessen Lösung zu einer Box mit einem weiteren abgetrennten Körperteil führt. In einer besonders perfiden Form des Geocachings, der modernen Schnitzeljagd per GPS, jagt ein Mörder das Salzburger Ermittlerduo Beatrice Kaspary und Florin Wenninger von einem Leichenteil zum nächsten. Jeder Zeuge, den sie vernehmen, wird kurz darauf getötet, und die Morde geschehen immer schneller. Den Ermittlern läuft die Zeit davon, sie ahnen, dass erst die letzte Station ihrer Rätselreise das entscheidende Puzzleteil zutage fördern wird …

Meine Bewertung:

Im schönen Salzburger Land wird auf einer idyllischen Kuhweide mit den freundlichen Tieren die Leiche einer jungen Frau entdeckt. Auf ihren Fußsohlen finden die Ermittler Koordinaten, die sie zu einer Dose führen, in der sie eine grausige Entdeckung machen: Statt einem Logbuch, wie es bei normalen Geocaches üblich ist, finden sie neben den Hinweisen zur nächsten Station ein eingeschweißtes Körperteil. Die beiden Ermittler Kaspary und Wenninger müssen nun ganz der Schnitzeljagd beim Geocaching getreu einen Fall klären, dessen Mörder sie von Station zu Station und Rätsel zu Rätsel jagt – und der am Final etwas ganz Besonderes bereithält.

Ursula Poznanskis „Fünf“ ist mein erster Thriller, bei dem die Jagd nach den Dosen mittels GPS-Koordinaten eingebaut ist. Ich selbst betreibe das Geocaching mittlerweile schon seit einigen Jahren relativ intensiv und habe auch schon einiges gesehen, aber Leichenteile zum Glück noch nicht. Deswegen gefällt mir die Idee der Autorin ziemlich gut, dieses schöne Hobby mit einem sehr makabren Vorhaben zu verbinden: dem Töten von Menschen – und darüber zu schreiben. Wer gar nichts von diesem Hobby weiß, dem wird alles ganz ausführlich und einfach dargestellt. Das geschieht vornehmlich durch den selbst geocachenden Stefan, unterstützende Kraft des Ermittlerduos. Der lässt es sich auch nicht nehmen, die beiden Kommissare die Schönheit dieses Hobbys zu unterbreiten. Tatsächlich finden sich auch zahlreiche Stellen, an denen dem Leser ein netter Vorgeschmack auf Geocaching gemacht wird um möglicherweise auch in der Realität die moderne Schnitzeljagd auszuprobieren.

Das beste an der Umsetzung war: Es handelt sich nicht immer nur einen ganz einfachen Cache, sondern die Autorin war bemüht, die Vielfältigkeit des Geocachens in ihren Thriller einzubauen – so bekommt der Leser nicht nur einen netten Überblick, über das, was in der GC-Szene so üblich ist, sondern erhöht auch die Spannung: denn das Gruseligste kommt zum Schluss. Zugleich sorgt das natürlich auch für reichlich Abwechslung, sodass es beim Lesen selbst für Geocacher nicht langweilig werden sollte. Für mich als Cacherin war es manchmal ein wenig unaufregend, weil eben das Vokabular und das allgemeine Vorgehen bei diesem Spiel selbst sehr bekannt sind. Aber darüber kann ich hinweg sehen, denn würde ich das Hobby bis hierhin nicht gekannt haben, wüsste ich nach der Lektüre auf jeden Fall einiges über das Geocachen.

Neben dem Einbauen einer ganz interessanten Idee des Mordens, war auch der Schreibstil ein sehr angenehmer: ich konnte mir beim Lesen alles sehr gut vorstellen, hatte immer ein genaues Bild davon, was gemacht wurde und warum und konnte dadurch der Handlung sehr gut folgen. Schon allein die Beschreibung des ersten Tatortes hat mir wieder sehr schöne Erinnerungen an Österreich hervorgerufen (natürlich ohne die Leiche). Die Spannung wurde gleichsam sehr hoch gehalten, sodass es in Kombination mit dem schnell lesbaren Schreibstil zwar ein kurzweiliges, aber qualitativ hochwertiges Lesevergnügen wurde.

Obwohl besonders Beatrice Kaspary dem Bild einer gestressten Ermittlerin entspricht, empfand ich die Charaktere als sehr tiefgründig und sympathisch. Trotz Zeitnot und Stress bekam man trotzdem ein Einblick in zwei ganz verschiedene Leben der Ermittler: Sie, mit zwei Kindern und alleinerziehend, Er: Single – mit sich anbahnender Liebesbeziehung – und ganz kreativen Hobbys, was ich nicht erwartet hätte. Ein Leben neben dem Beruf scheint also auch bei Polizeibeamten im Dauereinsatz noch möglich zu sein. Das stimmte mich doch ganz positiv.

Den Kriminalfall an sich würde ich als eher etwas leichter einordnen: Wer aufmerksam liest, dem bleibt die Auflösung des Falls nicht bis zum Schluss verborgen. Mir war dann kurz vor der Enttarnung des Täters klar, wer es gewesen sein muss. Aber solange das nicht schon nach 100 Seiten passiert, sondern – wie gesagt – erst kurz vor Schluss, ist für mich wenigstens noch alles in Ordnung und meine Lesefreude wurde nicht im Geringsten geschmälert.

Fazit:

Ursula Poznanski ist mit „Fünf“ ein Thriller gelungen, der sich durch die andere, sehr abwechslungsreich beschriebene Thematik des Geocachens, von den meisten anderen deutlich abhebt. So kam durch die neue Idee etwas Frische in die Ermittlungen, und zeitgleich macht sie so auch noch ein wenig Werbung für diesen Zeitvertreib. Neben dieser guten Idee, zeichnet sich der Thriller durch eine hohe Spannung aus und einen angenehmen Schreibstil. Sympathische Ermittler, die auch unter extremen Stress und nicht besonders netten Chefs, ihre Arbeit so gut machen können, runden die Geschichte ab. Vielleicht kein Superknaller, aber trotzdem absolut empfehlenswert und ein überzeugender, unterhaltsamer Thriller.

Ein schneller Überblick:

[xrr rating=4/5 imageset=tiny_star label=“Fazit“] Gut für Geocacher geeignet, aber besonders spannend für alle, die dieses Hobby noch nicht kennen. Der Thriller gibt eine ganz abwechslungsreiche Einführung in die moderne Schnitzeljagd und regt auf jeden Fall dazu an, das auch mal selbst auszuprobieren. – Ohne Leichen.

[xrr rating=4.5/5 imageset=tiny_star label=“Spannung“] Die Spannungskurve steigt steil nach oben und verbleibt dann auf hohem Niveau: Das Buch musste ich innerhalb eines Tages auslesen.

[xrr rating=2.5/5 imageset=tiny_star label=“Anspruch“] Alles super erklärt, es stecken keine weltumspannenden düsteren Machenschaften dahinter, die viele Leser möglicherweise abschrecken könnten. Eignet sich gut zur Ablenkung und leichteren Lektüre.

[xrr rating=3.5/5 imageset=tiny_star label=“Blutgehalt“] Abgeschnittene Körperteile klingt blutig: ist es auch. Ein ziemlich kreativer Mörder hält die Ermittler auf Trab und verschont sie nicht vor Grausamkeiten. Positiv: keine zur Schau gestellte Bestialität, sondern dem Fall angemessen und begründet. Nichts für blutunverträgliche Menschen.

[xrr rating=3.5/5 imageset=tiny_star label=“Schreibstil“] Ursula Poznanski hat einen sehr netten Schreibstil, der der Spannung nicht im Weg steht. Sehr angenehm und schnell zu lesen. Dem Genre des Krimis sehr zuträglich.

[xrr rating=2.5/5 imageset=tiny_star label=“Gefühl“] Die Charaktere haben alle schon einen traurigen Bissen des Lebens geschluckt. Keine Gefühlsduselei, aber trotzdem emotional anregend.

Kurzinfos zum Buch

Veröffentlicht:2012
Verlag: Wunderlich
Seitenzahl: 384
ISBN: 3805250312
Preis: 14.95 Euro (Gebundene Ausgabe)

Von der Autorin sind außerdem folgende Bücher erschienen:
Erebos *** Saeculum

Zur Homepage der Autorin:
www.ursula-poznanski.at

 
Wer auch über das Thema Geocaching hinaus an anderen Büchern interessiert ist, ist herzlich dazu eingeladen auf www.lesewiese.net zu stöbern.

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4 Comments

  1. Hi,

    kaum war „fünf“ auf dem Markt, kam kurz danach ein weiterer Krimiroman mit
    Verbindung zum Thema Geocaching auf den Markt. Das Buch heißt „Knochenfinder“..siehe auch
    http://www.gocacher.de/?p=1499

    Den passenden Cache zu „Fünf“ gibt es hier
    http://www.geocaching.com/seek/cache_details.aspx?guid=1a07e9b5-b899-4f53-9ddf-dcd9d8138490
    Scheinbar ein Marketinggag des Verlages, der sich in der Umsetzung
    als verbesserungswürdig rausstellt und zur Zeit auch gerade wieder mal deaktiviert ist.

    Beste Grüße

    Bahli

    • Hi Bahli,

      auf das Buch „Knochenfinder“ bin ich auch schon gestoßen, genau auf der Seite, die du verlinkt hast. 🙂 Das Buch steht auch schon auf der Warteliste und wird bald gelesen. Ich wusste gar nicht, dass es direkt zu „Fünf“ auch einen Cache gibt. Ich habe nur im Nachwort des Krimis gelesen, dass an den Stellen, die im Buch mit Caches in Verbindung gebracht werden, es tatsächlich auch wirklich diese Caches gibt. Schade, dass sich dann niemand die Mühe gemacht hat, einen Cache, passend zum Buch oder so zu legen, der Spaß macht und gepflegt wird.

      Liebe Grüße,
      Antje

  2. Hab es auch gerade durch und ziemlich verschlungen. Die Auflösung der Motivation des Owners ließ mich dann aber etwas unbefriedigt zurück. Fand ich ziemlich überzogen und unglaubwürdig.

    Seid ihr auch ein paar mal über das Wort „imaginieren“ gestolpert?

    Trotzdem ein lesenswertes, spannendes Buch!

    • @London Rain: Wie unterschiedlich manchmal die Lesermeinung so ist (und das ist gut so!). Mir hat die Auflösung eigentlich ganz gut gefallen, aber ich fand sie dann fast ein wenig offensichtlich. 🙂 Ich bin leider nicht über „imaginieren“ gestolpert, aber durch den Kindle kann man über die Suche auch wunderbar nach diesem Wort stöbern. Ich bin mal gespannt, was da für eine Zahl ausgegeben wird. Aber beim Lesen ist es mir nicht aufgefallen. Klingt ein wenig nach österreichischem Sprachschatz. 🙂

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